15.06.2026

Es tut sich wieder was auf dem Gesandtenfriedhof! Nach drei Jahren Bauzeit und zwei Bauabschnitten sind die Arbeiten an den Wandepitaphien der evangelischen Reichstagsgesandten abgeschlossen. Seit Anfang Juni 2026 laufen die Bodenarbeiten. Dabei werden die tonnenschweren Grabplatten im Boden erhoben und in die Steinwerkstatt gebracht zur Reinigung, Sicherung und Konservierung. Unsere Steinmetzen arbeiten auch da fachmännisch und denkmalschonend mit der Hand: Die oft 20 cm dicken und bis zu zwei Tonnen schweren Grabplatten werden mit Flaschenzügen aus der Erde gehoben, mit Handwagen zur Straße Am Ölberg gefahren und erst dort mit einem Kran auf den LKW verladen, der immer montags die Wochenausbeute ins Steinlabor bringt.

Den Steinmetzen folgen die Archäologinnen: streng wissenschaftlich wird das Grabungsareal vermessen und nivelliert, bevor mit Spatel und Besen das Erdreich nach Funden durchsucht wird. Nur 50 cm dürfen sich die Damen in die Tiefe graben, aber sicher weit genug, um erstmals die genaue Lage und den Zustand der zugemauerten Gruftgewölbe aus Ziegelsteinen erforschen zu können. Geöffnet werden sie Grüfte der Gesandten jedoch nicht! Voruntersuchungen haben den guten Erhaltungszustand gezeigt. Und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde ist die Totenruhe heilig, auch wenn der Gesandtenfriedhof seit 1804 keine Bestattung mehr gesehen hat. Die Erhaltung des "national wertvollen Denkmals" Gesandtenfriedhof in seinem jetzigen historischen Zustand für kommende Generationen hat oberste Priorität.

Obwohl der Gesandtenfriedhof aufgrund der laufenden Bauarbeiten derzeit nicht mehr betreten werden kann, ist eine Besichtigung der Arbeit von Steinmetzen und Archäologinnen weiterhin möglich. Vom Podest des Südportals, zugänglich durch die Dreieinigkeitskirche täglich (außer Montag) von 12-18 Uhr, kann den Arbeitenden über die Schulter geschaut werden! Steinmetzen und Archäologinnen werden sich noch bis August in Abschnitten von Osten bis zum Eingangstor im Westen vorarbeiten. Nach Abschluss des jeweiligen Abschnitts wird der historische Boden zum Schutz mit Sand, einem Geofließ und Kies bedeckt. 2027 wird dann mit der Neuverlegung der Grabplatten und historischen Pflastersteine an ihre zentimetergenau vermessenen ursprünglichen Standorte begonnen. Mit einer Neueröffnung des vollständig restaurierten Gesandtenfriedhofs ist 2028 zu rechnen! Deo gratias!