Georg von Stubenberg (1560-1630) Grabplatte
Georg von Stubenberg (1560-1630) Grabplatte
Georg von Stubenberg (1560-1630) Grabplatte Wappen
Georg von Stubenberg (1560-1630) Grabplatte vor Familien-Epitaph (links angeschnitten)

FAMILIE STUBENBERG

Einleitung

Eine einzige Familie fand auf dem Gesandtenfriedhof ihre letzte Ruhestände, die nicht zu den Reichstagsgesandten zählte. Mehrere Mitglieder der Familie Stubenberg sind als Anhänger der evangelischen Konfession aus der Steiermark ausgewandert und in Meißen/Sachsen, aber auch in Süddeutschland als sogenannte „Exulanten“ aufgenommen worden. Auf dem Gesandtenfriedhof sind bestattet Georg von Stubenberg, sein Neffe zweiten Grades Johann Wilhelm und dessen Frau Felicitas Dorothea, Johann Wilhelms Sohn Rudolf Wilhelm und dessen erste Ehefrau Maria Maximiliana.

Das Stubenberg-Epitaph im Südost-Eck des Gesandtenfriedhofs wurde errichtet nach dem Tod von Felicitas Dorothea von Stubenberg (1622-1667), der Ehefrau des 1663 verstorbenen Johann Wilhelm von Stubenberg, dessen Gebeine dazu von Wien nach Regensburg umgebettet wurden. Veranlasst wurde der Bau des Epitaphs vom Sohn Rudolf Wilhelm, dessen Ehefrau Maria Maximiliana (1642-1668) kurz nach ihrer Schwiegermutter verstarb und ebenfalls in der Familiengrabstätte begraben wurde. Als letzter wurde der Initiator Rudolf Wilhelm von Stubenberg (1643-1677) selbst in dieser Grabstätte begraben. Seine 2. Ehefrau Anna Juliana (1650-1721) siedelte nach seinem Tod mit dem Sohn Adolf Wilhelm (1671–1738) und zwei Töchtern nach Dresden um.

Die Inschrift der Grabplatte vor dem Epitaph ist verfasst für den 1630 nach Regensburg geflüchteten und kurz nach seiner Ankunft verstorbenen Georg von Stubenberg. Diese Grabplatte stammt vom 1632 bei der Belagerung Regensburgs zerstörten Petersfriedhof (eine andere Quelle gibt den Lazarusfriedhof an). Sie wurde an diesen Ort überführt, um sie für den Bau einer Familiengrabstätte zu nutzen. Vom Text ist leider nichts mehr zu lesen. Am unteren Ende der Grabplatte ist jedoch noch das Wappen der Stubenberg (wie auf dem Epitaph an der Wand) zu erkennen: in Schwarz eine silberne Wolfssense, durch deren nach unten gekehrten Ring der Zopf der Agnes von Stubenberg (Familiensage) gezogen ist.

MEHR
WENIGER

Personen

Georg von Stubenberg der Ältere
* 25.10.1560 in Kapfenberg/Steiermark
Oberster Erbschenk des Erzherzogtums Steiermark und Inhaber der Herrschaften Frauenberg, Mureck, Stubeck, Kapfenberg, Schwanberg bei Brixen, Schallaburg, Sichtenberg und Wurmberg
1587 ∞ 1. Heirat mit Barbara von Khevenhüller (* 1571 in Villach, + 1618 in Graz). Daraus die Tochter Anna von Stubenberg (1594-1624)
ab 1594 Kaiserlicher Rat und Ältester Kämmerer
1610-1614 Burggraf der Stadt Steyr
1619 ∞ 2. Heirat mit Amalie von Liechtenstein-Murau (* 1593 in Klagenfurt, + 1664 in Nürnberg), Tochter Konrads von Liechtenstein-Murau, Oberster Erbkämmerer des Herzogtums Steiermark und Erblandmarschall in Kärnten
1629 als Glaubens-Exulanten nach Regensburg
+ 21.04.1630 in Regensburg
begr. 1630 in Regensburg auf dem Peters- oder Lazarusfriedhof
1668 Überführung der Gebeine auf den Gesandtenfriedhof

Johann Wilhelm von Stubenberg
* 22.04.1619 in Neustadt an der Mettau/Böhmen (heute Nove Mesto nad Metuji/Tschechien)
seit 1629 lebte er als Anhänger der evangelischen Konfession mit seinen Eltern Rudolf von Stubenberg und Justina Zelkin als Exulant in Süddeutschland, 1632 in Pirna, 1636 in Dresden
1636-1638 machte er eine Reise nach Italien, Frankreich und in die Niederlande
1639 erwarb er Schallaburg und Sichtenberg, wo er einige Zeit lebte
1640 besuchte er den Reichstag zu Regensburg
∞ 1642 Heirat mit Dorothea Felicitas Freiin von Eibiswald (* 13.07.1622 in Graz, + 16.12.1667, begr. 23.12.1667 in Regensburg), mit der er die Söhne Rudolf Wilhelm und Otto hatte
1658/1659 Übersiedlung nach Wien
+ 15.03.1663 in Wien. Beerdigung auf dem evangelischen Friedhof von Kittsee bei Neusiedl am See/Burgenland
1668 Überführung der Gebeine auf den Gesandtenfriedhof

Johann Wilhelm von Stubenberg war Privatgelehrter und Schriftsteller. Er ist durch gelegentliche Sonette auch als Dichter ausgewiesen. Doch betätigte er sich vornehmlich als Übersetzer. Er übersetzte aus dem Französischen, Italienischen und Lateinischen moralische Schriften und Romane. Seit ca. 1648 war er Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft" in Köthen/Sachsen-Anhalt unter dem Namen „Der unglückselig Selige“ (Infortunatus Fortunatus). Die Fruchtbringende Gesellschaft, gegründet 1617 von Herzog Ludwig von Anhalt und drei Herzögen von Sachsen, war die erste und größte Sprachakademie zur Förderung der deutschen Sprache und Literatur. Sie hatte bis zu 890 Mitglieder (u.a. Gryphius und Opitz), bestand bis 1680 und ist auch als „Palmenorden“ bekannt: Darauf spielt wohl der linke Engel auf dem Regensburger Grabmal an, der eine Leier haltend mit dem Dichterlorbeer bekränzt ist und vor einer Palme steht.

Rudolf Wilhelm von Stubenberg
* 02.01.1643 in Pressburg/Ungarn (heute Bratislava/Slowakei)
1664 Übersiedlung mit Mutter Dorothea Felicitas nach Regensburg
1664-1666 Bildungsreise durch die Schweiz, Frankreich, Spanien, England, die Niederlande, Hamburg, Westfalen, Braunschweig, Sachsen und Böhmen nach Wien
∞ 13.02.1667 Heirat mit Maria Maximiliana von Auersperg (* 30.01.1641 in St. Leonhardt a. Forst/Niederösterreich, + 28.04.1668 in Regensburg, begr. 04.05.1668). 1668 verlor er innerhalb von vier Monaten Mutter, Kind und Gemahlin; danach Reise nach Italien
∞ 04.07.1670 Heirat mit Anna Juliana Wild- und Rheingräfin von Salm-Grumbach (1650-1721), mit der er fünf Kinder hatte. Der Sohn Adolf Wilhelm (1671–1738) und zwei Töchter erreichten das Erwachsenenalter.
+ 28.01.1677 in Regensburg
begr. 06.02.1677

Rudolf Wilhelm von Stubenberg war ab 1661 wie sein Vater Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ (Pseudonym „Der Begütigende“) und kümmerte sich um das literarische Werk seines Vaters. Er war zudem ein Meister des Scherenschnitts. 16 Kunstwerke befinden sich heute im Kupferstichkabinett des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Sie sollen zu den ältesten erhaltenen Scherenschnitten Europas gehören. Rudolf Wilhelm war ein Kunstliebhaber, der vor allem Landschafts- und Blumenbilder sammelte. Seine Gemäldegalerie mit Bildern von Veronese, Caravaggio und anderen bekannten Künstlern wird von Joachim von Sandrart in seiner „Teutschen Academie der Bau-, Bild und Mahlerey-Künste“ (Nürnberg 1675) beschrieben. Er besaß auch eine bedeutende Münzen- und Medaillensammlung.

Inschrift

Allda ruhet in Gott der Hoch- und / Wohlgebohrne / Herr Herr GEORG der ältere Herr von / Stubenberg / Herr auf Kaventenberg, Munneregg , Frauenberg / und Schabasburg, Oberster / Erzschenk / in Steyr, der Röm: Kayserl. / Majestaet Rath und Cammerer / welcher den 22. Tag April Ao 1630 / Seines Alters im 70 Jahr allhier / in Regens[p]urg / Zeitliches Todts Seelig entschlaffen, / Deme samt allen / Christglaubigen, Gott der Allmächtige am / Lieben Jüngsten Tag, eine fröhliche / Aufferstehung verleihen wolle. Amen / Galat: 6. Cap.
Es seye ferne von mir rühmen, ohne allein von / dem Creutz unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen / mir die Welt gecreutziget ist, und ich der / Welt.

Quellen

Albrecht Klose, Klaus-Peter Rueß, Die Grabinschriften auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg (Regensburger Studien 22), hg. vom Archiv der Stadt Regensburg, Regensburg 2015, ISBN 978-3-943222-13-5

„Stubenberg (Adelsgeschlecht)“, in: Wikipedia