Familie Stubenberg Epitaph 2024
Familie Stubenberg Epitaph 2023
Familie Stubenberg Epitaph Restaurierung 2024
Familie Stubenberg Epitaph Restaurierung 2024
Familie Stubenberg Epitaph Restaurierung 2024
Familie Stubenberg Epitaph 2024 Wappen
Familie Stubenberg Epitaph 2024 Wappenhalterengel
Familie Stubenberg Epitaph 2024 Engel rechts mit Palme (Hinweis Palmenorden!)
Familie Stubenberg Epitaph 2024 Engel rechts
Familie Stubenberg Epitaph 2024 Inschrifttafel

FAMILIE STUBENBERG

Einleitung

Eine einzige Familie fand auf dem Gesandtenfriedhof ihre letzte Ruhestände, die nicht zu den Reichstagsgesandten zählte. Mehrere Mitglieder der Familie Stubenberg sind als Anhänger der evangelischen Konfession aus der Steiermark ausgewandert und in Meißen/Sachsen, aber auch in Süddeutschland als sogenannte „Exulanten“ aufgenommen worden. Auf dem Gesandtenfriedhof sind bestattet Georg von Stubenberg, sein Neffe zweiten Grades Johann Wilhelm und dessen Frau Felicitas Dorothea, Johann Wilhelms Sohn Rudolf Wilhelm und dessen erste Ehefrau Maria Maximiliana.

Das Stubenberg-Epitaph im Südost-Eck des Gesandtenfriedhofs wurde errichtet nach dem Tod von Felicitas Dorothea von Stubenberg (1622-1667), der Ehefrau des 1663 verstorbenen Johann Wilhelm von Stubenberg, dessen Gebeine dazu von Wien nach Regensburg umgebettet wurden. Veranlasst wurde der Bau des Epitaphs vom Sohn Rudolf Wilhelm, dessen Ehefrau Maria Maximiliana (1642-1668) kurz nach ihrer Schwiegermutter verstarb und ebenfalls in der Familiengrabstätte begraben wurde. Die Inschrift der Grabplatte vor dem Epitaph ist verfasst für den 1630 nach Regensburg geflüchteten und kurz nach seiner Ankunft verstorbenen Georg von Stubenberg. Diese Grabplatte stammt vom 1632 bei der Belagerung Regensburgs zerstörten Petersfriedhof (eine andere Quelle gibt den Lazarusfriedhof an). Sie wurde an diesen Ort überführt, um sie für den Bau einer Familiengrabstätte zu nutzen. Als letzter wurde der Initiator Rudolf Wilhelm von Stubenberg (1643-1677) selbst in dieser Grabstätte begraben. Seine 2. Ehefrau Anna Juliana (1650-1721) siedelte nach seinem Tod mit dem Sohn Adolf Wilhelm (1671–1738) und zwei Töchtern nach Dresden um.

MEHR
WENIGER

Personen

Georg von Stubenberg der Ältere
* 25.10.1560 in Kapfenberg/Steiermark
Oberster Erbschenk des Erzherzogtums Steiermark und Inhaber der Herrschaften Frauenberg, Mureck, Stubeck, Kapfenberg, Schwanberg bei Brixen, Schallaburg, Sichtenberg und Wurmberg
1587 ∞ 1. Heirat mit Barbara von Khevenhüller (* 1571 in Villach, + 1618 in Graz). Daraus die Tochter Anna von Stubenberg (1594-1624)
ab 1594 Kaiserlicher Rat und Ältester Kämmerer
1610-1614 Burggraf der Stadt Steyr
1619 ∞ 2. Heirat mit Amalie von Liechtenstein-Murau (* 1593 in Klagenfurt, + 1664 in Nürnberg), Tochter Konrads von Liechtenstein-Murau, Oberster Erbkämmerer des Herzogtums Steiermark und Erblandmarschall in Kärnten
1629 als Glaubens-Exulanten nach Regensburg
+ 21.04.1630 in Regensburg
begr. 1630 in Regensburg auf dem Peters- oder Lazarusfriedhof
1668 Überführung der Gebeine auf den Gesandtenfriedhof

Johann Wilhelm von Stubenberg
* 22.04.1619 in Neustadt an der Mettau/Böhmen (heute Nove Mesto nad Metuji/Tschechien)
seit 1629 lebte er als Anhänger der evangelischen Konfession mit seinen Eltern Rudolf von Stubenberg und Justina Zelkin als Exulant in Süddeutschland, 1632 in Pirna, 1636 in Dresden
1636-1638 machte er eine Reise nach Italien, Frankreich und in die Niederlande
1639 erwarb er Schallaburg und Sichtenberg, wo er einige Zeit lebte
1640 besuchte er den Reichstag zu Regensburg
∞ 1642 Heirat mit Dorothea Felicitas Freiin von Eibiswald (* 13.07.1622 in Graz, + 16.12.1667, begr. 23.12.1667 in Regensburg), mit der er die Söhne Rudolf Wilhelm und Otto hatte
1658/1659 Übersiedlung nach Wien
+ 15.03.1663 in Wien. Beerdigung auf dem evangelischen Friedhof von Kittsee bei Neusiedl am See/Burgenland
1668 Überführung der Gebeine auf den Gesandtenfriedhof

Johann Wilhelm von Stubenberg war Privatgelehrter und Schriftsteller. Er ist durch gelegentliche Sonette auch als Dichter ausgewiesen. Doch betätigte er sich vornehmlich als Übersetzer. Er übersetzte aus dem Französischen, Italienischen und Lateinischen moralische Schriften und Romane. Seit ca. 1648 war er Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft" in Köthen/Sachsen-Anhalt unter dem Namen „Der unglückselig Selige“ (Infortunatus Fortunatus). Die Fruchtbringende Gesellschaft, gegründet 1617 von Herzog Ludwig von Anhalt und drei Herzögen von Sachsen, war die erste und größte Sprachakademie zur Förderung der deutschen Sprache und Literatur. Sie hatte bis zu 890 Mitglieder (u.a. Gryphius und Opitz), bestand bis 1680 und ist auch als „Palmenorden“ bekannt: Darauf spielt wohl der linke Engel auf dem Regensburger Grabmal an, der eine Leier haltend mit dem Dichterlorbeer bekränzt ist und vor einer Palme steht.

Rudolf Wilhelm von Stubenberg
* 02.01.1643 in Pressburg/Ungarn (heute Bratislava/Slowakei)
1664 Übersiedlung mit Mutter Dorothea Felicitas nach Regensburg
1664-1666 Bildungsreise durch die Schweiz, Frankreich, Spanien, England, die Niederlande, Hamburg, Westfalen, Braunschweig, Sachsen und Böhmen nach Wien
∞ 13.02.1667 Heirat mit Maria Maximiliana von Auersperg (* 30.01.1641 in St. Leonhardt a. Forst/Niederösterreich, + 28.04.1668 in Regensburg, begr. 04.05.1668). 1668 verlor er innerhalb von vier Monaten Mutter, Kind und Gemahlin; danach Reise nach Italien
∞ 04.07.1670 Heirat mit Anna Juliana Wild- und Rheingräfin von Salm-Grumbach (1650-1721), mit der er fünf Kinder hatte. Der Sohn Adolf Wilhelm (1671–1738) und zwei Töchter erreichten das Erwachsenenalter.
+ 28.01.1677 in Regensburg
begr. 06.02.1677

Rudolf Wilhelm von Stubenberg war ab 1661 wie sein Vater Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ (Pseudonym „Der Begütigende“) und kümmerte sich um das literarische Werk seines Vaters. Er war zudem ein Meister des Scherenschnitts. 16 Kunstwerke befinden sich heute im Kupferstichkabinett des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Sie sollen zu den ältesten erhaltenen Scherenschnitten Europas gehören. Rudolf Wilhelm war ein Kunstliebhaber, der vor allem Landschafts- und Blumenbilder sammelte. Seine Gemäldegalerie mit Bildern von Veronese, Caravaggio und anderen bekannten Künstlern wird von Joachim von Sandrart in seiner „Teutschen Academie der Bau-, Bild und Mahlerey-Künste“ (Nürnberg 1675) beschrieben. Er besaß auch eine bedeutende Münzen- und Medaillensammlung.

Inschrift

Viator / Adsta lege et Gemitus tuos com(m)oda Quando tot Honorata funera unum / obtegit Saxum/ Nimirum / In hoc Sepulchro conditur / Johannes Wilhelmius Stubenbergius / Non tam antiquissima Familia quae inter/ primores Germanicae censetur / Quam linguarum Scientiarumq(ue) omnium / cognitione Clarissimus / Cuius divini ingenii monumentis / Vernacula Lingua nitorem debet ac / puritatem / Posteris admirationem / Vivere is coepit A(nno) C(hristiano) MDCXIX desiit / A(nno) C(hristiano) MDCLXIII / Tumuli sicut et Thori fuit, Socia est / Felicitas Dorothea / Patre Pau/o Eubeswal(dio) Barone/ Matre Sidonia Stubenbergia / A(nno) C(hristiano) MDCXXII genita / Quae per XLV quos vixit annos quotquot / habuit aequales Foeminas [For]mae me[ntis]que Do[tib]us oppido / superauit / Universis autem fide in Maritum ac pietate, / erga Deum / semper fuit exemplo. / Cum A(nno) C(hristiano) MDC[L]X[V]II decessisset / Vivam huius imagi[n]em Si Deus & / Fata siuissent / expressura deinde erat nurus / Maria Maximiliana / quam A(nno) C(hristiano) MDCXLI / Sigismun[dus] Erasmus/ Auerspergius Comes / Et Eusebia Benigna Kaunitzia / procrearunt / Sed quae & vitae & coniugii brevem / usuram habuit / Primi Partus doloribus cum nondum annos / XXVII nata esset extincta / A(nno) C(hristiano) MDCLXVII/ / Rudolphus Wilhelmus Pincerna Stubenberg/ in Kapfenberg [?]c. / Patre, Matre, et Coniuge dulcissimis orbus / ne sine debita honore tam cara iacerent / ossa / Pietatis memor cum multis Lachrumis / Monumentum posuit.

Übersetzung

Wanderer bleib stehen, lies und klage mit, wenn so viele geehrte Leichname ein einziger Stein bedeckt. Allerdings wird in diesem Grab bestattet Johannes Wilhelm Stubenberg, der nicht so sehr durch die alte Familie, die unter die ersten Deutschlands gerechnet wird, als durch die Kenntnis aller Sprachen und Wissenschaften hochberühmt (war), dessen Denkmälern eines göttlichen Verstandes die Muttersprache den Glanz und die Reinheit schuldet (und) bei den Nachkommen Bewunderung. Er begann zu leben im Jahre 1619 und hörte auf (zu leben) im Jahre Christi 1663. Die Gefährtin des Grabhügels, so wie sie auch die des Ehe-Bettes war, ist Felicitas Dorothea, (deren) Vater Baron Paul (von) Eibiswald, die Mutter Sidonia Stubenberg war. Im Jahre Christi 1622 geboren hat sie, während der 45 Jahre, die sie lebte, alle gleichaltrigen Frauen durch die Gaben der Schönheit und des Geistes in der Stadt übertroffen, alle aber in der Treue zu ihrem Manne und in der Frömmigkeit gegenüber Gott. Als sie im Jahre Christi 1667 verstarb, sollte immer ein lebendes Abbild dieser, wenn Gott und das Schicksal es zugelassen hätten, hierauf die Schwiegertochter Maria Maximiliana darstellen, die im Jahre Christi 1641 Graf Sigismund Erasmus Auersperg und Eusebia Benigna Kaunitz hervorbrachten. Aber diese hatte kurzen Nutzen vom Leben und von der Ehe, weil sie durch die Schmerzen der ersten Geburt, als sie noch nicht 27 Jahre alt war, ausgelöscht worden ist. Rudolf Wilhelm (Erb-) Schenk von Stubenberg in Kapfenberg etc., Waise hinsichtlich Vaters, Mutter und Gattin den süßesten, hat, damit so teure Gebeine nicht ohne geschuldete Ehre liegen, eingedenk der frommen Pflicht mit vielen Tränen das Grabmal gesetzt.

Quellen

Albrecht Klose, Klaus-Peter Rueß, Die Grabinschriften auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg (Regensburger Studien 22), hg. vom Archiv der Stadt Regensburg, Regensburg 2015, ISBN 978-3-943222-13-5

„Stubenberg (Adelsgeschlecht)“, in: Wikipedia